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Kreatives Lernen

Am Anfang stand mein Unvermögen ein 1000-seitiges Buch zu lesen, das mich zwar interessierte, mir aber auf Grund seines trockenen Inhalts unlesbar schien. Ich fing an, über Lerntechniken zu lesen und landete schon bald einmal bei der Gehirnforschung und der Information, dass das Potential unseres Gehirnes schier unerschöpflich ist und dass wir leichter lernen je mehr wir lernen. Unser denken ist mit einem wachsenden Netz vergleichbar, je mehr informationen bereits gespeichert sind, desto leichter fällt es, neue Informationen damit zu verknüpfen. So motiviert begann ich Bücher zu diesem und verwandten Themen zu lesen und entdeckte dabei die effizienteste Lernmethode für mich.

Parallel dazu ist seit einigen Jahren die Zahl der hyperaktiven Kinder in meiner Praxis gestiegen. Gestiegen ist dabei vor allem die Diagnose „ADHS“ und die Medikation mit Ritalin. Bei der Lektüre der Fachliteratur über ADHS machte ich die Entdeckung, dass ich einige der ADHS - Symptome kenne und diese mir wesentlich helfen mich zu konzentrieren und weiterzubilden. So lerne ich am besten, wenn mich ein Gebiet fasziniert weil es neu ist und zunächst einmal uferlos scheint. Ich besorge mir dann möglichst viele Bücher zu dem Thema. Während ich eines lese, studiere ich bereits das Literaturverzeichnis und surfe im Internet um weiterführende Literatur zu finden. Wenn ein Text besonders inspirierend ist, lese ich ein paar Zeilen, stehe auf, mache Tee, lese ein paar Zeilen weiter, gehe spazieren, um meine Gedanken weiter zu verfolgen, telefoniere mit Freunden, um über das Gelesene zu sprechen, schreibe mails und Briefe. Ich kreiere eine abwechslungsreiche Umgebung in der sich neue Gedanken formen können. Im Gegensatz dazu werde ich müde, wenn ich ohne häufige Pausen lese und halte es kaum aus, mehrere Stunden untätig in einem Seminar zu sitzen.

Aus dieser Erfahrung heraus fällt es mir leicht, Kinder zu verstehen, die es in einem konservativem Unterricht nicht aushalten. Um so mehr begeistert es mich, zu sehen, dass es mehr und mehr alternative Unterrichtsmodelle gibt, die nicht nur aktiven Kindern gerecht werden sondern ganz allgemein die Kreativität der Kinder fördert, statt diese einzuschläfern.

Literaturempfehlung:

- Birkenbihl Vera: Das "neue" Stroh im Kopf

- Müller Andreas: Wenn nicht ich...? und weitere unbequeme Fragen zum Lernen in Schule und Beruf


Kreativität und ADHS

Kinder mit ADHS haben oft viele Fähigkeiten und Talente. Viele berühmte Menschen hatten Züge und Charakteristika, die heute unter die Diagnose ADHS fallen würden:

- ständiges Suchen nach neuen Möglichkeiten
- hohe Kreativität
- Sichhinwegsetzen über Regeln der Normalität
- sehr gute und schnelle Auffassung von ganzheitlichen Gestalten

Mozart z.B. trieb gerne Schabernack, schockierte indem er sein Klavierspiel unterbrach und in seiner närrischen Laune über Tische und Stühle sprang, wie eine Katze miaute und Purzelbäume zu schlagen begann. Emotionale Erlebnisse konnten ihn total aus der Bahn werfen.

„Selbst wenn er sich in der Früh die Hände wusch, ging er dabei im Zimmer auf und ab, blieb nie ruhig stehen, schlug dabei eine Ferse auf die andere und war immer nachdenkend.....Auch sonst war er immer in Bewegung mit Händen und Füssen, spielte immer mit etwas“. (Schilderung von Sophie Haibl, der Schwägerin Mozarts)

Einstein könnte eher dem unaufmerksamen Typus zugerrechnet werden. Er wollte nicht einsehen, dass er Dinge lernen sollte, die ihn nicht interessierten, und alles was ihn anstrengte, gefiel ihm nicht.

Hochbegabte Kinder zeigen oft Merkmale, die auch hyperaktive Kinder aufweisen, z.B. herausfordernde Verhaltensweisen oder störendes Verhalten in Gruppensituationen.

Es hat früher wahrscheinlich genauso viele Kinder mit ADHS gegeben. Geändert haben sich jedoch in hohem Mass die Erwartungen an die Kinder.

Lieber die Stärken nutzen, als nur an den Schwächen arbeiten.

(Quelle: Brandau, Pretis, Kaschnitz; 2003)